Grossglockner – Auf den Spuren der Erstbesteiger

Bergtour: Großglockner (3798m), auf den höchsten Berg Österreichs von Heiligenblut über die Salmhütte.

An meinem ersten Urlaubstag wollte ich eigentlich von Mayrhofen auf den Berliner Höhenweg starten. Mein „Bergpartner“ Silvio kam aber zwei Wochen vorher auf die super Idee zusammen mit Erik den höchsten Gipfel Österreichs zu besteigen – den Grossglockner (3798m).

Der höchste Berg Österreichs - der Großglockner mit 3798m.
Der höchste Berg Österreichs – der Großglockner mit 3798m.

Das konnte ich mir nicht entgehen lassen: kurzerhand wurde um geplant und ich werde den Höhenweg erst am Montag angehen. Am Samstag (11.08.2012) um 08:00 Uhr verließen wir die Wohnung und fuhren mit Eriks Auto nach Heiligenblut in Österreich. Wir kamen ganz gut durch und erreichten mittags den Ort. Nach dem Parken starteten wir gegen 13:00 Uhr vom Ortszentrum (1291m) Richtung Leitertal. Das war der Aufstieg der Erstbesteiger. Im Tal war es einfach, erst mit dem Leitersteig wurde es etwas anspruchsvoller. Wir kamen sehr flott voran und es wurde immer weniger bewachsen. Nach und nach gewannen wir an Höhe. Das Wetter war okay: es war bewölkt und leicht windig. Die Salmhütte erreichten wir um 15:45 Uhr.

Die Salmhütte liegt in der Glocknergruppe auf der Südostseite des Großglockners.
Die Salmhütte liegt in der Glocknergruppe auf der Südostseite des Großglockners.

Es wurde merklich kälter und karger. An der Hütte tranken wir ein Bier und aßen eine Kleinigkeit. Nach 30 Minuten ging es los. Vorgabe war 3:45h. War waren flott, sehr flott – aber die Höhe machte sich langsam bemerkbar. Wir liefen hauptsächlich auf Platten, dann kam ein kurzes Gletscherfeld, dieses war total unproblematisch (mit Steigeisen). Im Anschluss ging es senkrecht einen Steig nach oben: auch das ging problemlos.

Kurzer Klettersteig zur Hohenwartscharte (3182m).
Kurzer Klettersteig zur Hohenwartscharte (3182m).

Das Reststück zog sich, aber natürlich gingen wir weiter, Schritt für Schritt. Wir sahen permanent die Hütte und erreichten sie um 18:30 – da war sie: die Erzherzog-Johann-Hütte (3454m). Bei der Hütte handelt es sich um die höchstgelegene Berghütte Österreichs. Für diese Höhe ist sie ziemlich groß und logischerweise herrschte zur Abendessenszeit großes Gedränge und Gewusel. Wir fanden einen schönen Platz im hinteren Teil der Gaststube. Auffallend hoch war die Bergführer-Dichte hier oben.

Die Erzherzog-Johann-Hütte liegt auf der Adlersruhe und ist die höchstgelegene Schutzhütte Österreichs (3454m).
Die Erzherzog-Johann-Hütte liegt auf der Adlersruhe und ist die höchstgelegene Schutzhütte Österreichs (3454m).

Es gab Spaghetti Bolognese und als Nachspeise ein bisschen Schokolade. Im Anschluss fühlte ich mit bereit für ein Glas Weißwein – Silvio und Erik tranken fleissig Bier. So saßen wir zusammen und redeten über alles mögliche – auch die Leute am Tisch waren sehr redselig. Ich ging vor den anderen um halb elf ins Bett, mein Wecker war auf fünf Uhr gestellt. Frühstück gab es ab 05:30 Uhr. Das Lager war schon gut gefüllt. Ich schlüpfte in meinen Schlafsack und schlief (wie immer) mit Ohropax sofort ein. Ich wachte drei bis viermal auf, teilweise die Toilette zu besuchen (jaja, der Wein), teilweise auch, weil es im Lager so heiß war – trotzdem habe ich gut geschlafen.
Um kurz vor fünf wachte ich auf. Im Matratzenlager war schon einiges los. So bin ich auch aufgestanden, habe meinen Lagerplatz geräumt und bin in die Gaststube hinunter gegangen. Die Küche hatte noch zu, weshalb ich Zeit hatte um vor der Hütte ein paar Fotos zu machen. Ein Blick auf den Gipfel zeigte schon mindestens drei Seilschaften im Aufstieg (erkennbar durch die Stirnlampen).

Der frühe Vogel fängt den Wurm? Die ersten Seilschaften brechen schon im Morgengrauen auf.
Der frühe Vogel fängt den Wurm? Die ersten Seilschaften brechen schon im Morgengrauen auf.

Das Wetter war jetzt schon perfekt und ich freute mich auf den Aufstieg. Um 05:40 Uhr hatte ich meinen Kaffee und aß etwas von meinem Proviant. Kurz darauf erschienen auch schon Silvio und Erik. Leider war mein lieber Bergpartner total unfit und sagte den Aufstieg ab. Erik und ich überredeten ihn zumindest über den Ferner mitzukommen. So starteten wir um 06:15 Uhr von der Hütte. Silvio führte an. Der Weg führte zuerst über Felsplatten, dann auf das Schneefeld. Also schnell die Steigeisen dran und weiter. Der Weg war gut zu sehen und die Eisunterlage sehr griffig.
Leider bekam Silvio nach 30 Minuten die Düse und kehrte um. Erik und ich gingen weiter. Es wurde nach und nach steiler und der Verkehr vor uns nahm zu.

Hier erkennt man den Rückstau am Einstieg zum Kleinglockner.
Hier erkennt man den Rückstau am Einstieg zum Kleinglockner.

Wir hatten gleich zu Beginn eine sehr langsame Gruppe aus Tschechien vor uns. Nach dem Eisfeld begann die Kletterei. Wir ließen unser Equipment am Einstieg zurück und begaben uns auf die Felsen zum Grossglockner (natürlich ungesichert).

Die Scharte am Übergang vom Kleinglockner zum Großglockner ist häufig stark frequentiert. Staugefahr!
Die Scharte am Übergang vom Kleinglockner zum Großglockner ist häufig stark frequentiert. Staugefahr!

Erik und ich kamen flott voran und die Überschreitung des Kleinglockners fiel mir gar nicht auf. Um kurz vor acht standen wir dann auf dem Gipfel des Grossglockners. Das Gefühl war der Wahnsinn! Man hatte den besten Ausblick, den man sich vorstellen kann.

Das wohl höchste Panorama Österreichs. Diese Aussicht erwartet den Bergsteiger am Gipfelkreuz des Großglockners.
Das wohl höchste Panorama Österreichs. Diese Aussicht erwartet den Bergsteiger am Gipfelkreuz des Großglockners.

Es war relativ hoher Andrang, so machten wir einige Fotos und begaben uns zum Abstieg zurück zur Erzherzog-Johann-Hütte. Zu Beginn hatte ich die Befürchtung, dass der Abstieg schwerer sei, da einige Stellen im Aufstieg wirklich unangenehm waren, vor allem die Scharte zwischen Klein- und Grossglockner. Irgendwie hatten wir aber super viel Glück – der Gegenverkehr hielt sich in Grenzen, wir hatten also kaum Wartezeiten. Wenn überhaupt zwei bis drei Minuten. Wir konnten sogar ein paar Seilschaften überholen.

Ein bisschen Posing nach der gelungenen Besteigung des Grossglockners muss schon erlaubt sein.
Ein bisschen Posing nach der gelungenen Besteigung des Grossglockners muss schon erlaubt sein.

Nach kurzer Zeit kamen wir an der Stelle an, wo wir unser Equipment zurückgelassen hatten. Also schnell die Eisen dran und runter. Das erste steile Stück war bergab echt okay. Man merkte allerdings die Kraft der Sonne auf dem Eis – es war schon ziemlich nass. Das letzte Stück stieg ich im gewohnten Tempo ab. Auf der Hütte trafen wir Silvio und berichteten. Nach zwei Tassen Kaffee und etwas Aufwärmzeit ging es zurück Richtung Heilgenblut. Um 10:00 Uhr gingen wir los und waren fast die ganze Zeit alleine unterwegs. Kurz vor der Salmhütte überholten wir zwei Gruppen. An der Hütte kamen wir um nach 1:45h an. Es gab etwas zu Essen und reichlich Bier. Nach einer Stunde Pause begann der Rest-Abstieg analog zum Aufstieg. Wir erreichten das Auto am Sonntag 12.08.2012 um 14:45 Uhr. Geile Tour!

Das Höhenprofil der Wocheendtour zum Grossglockner.
Das Höhenprofil der Wocheendtour zum Grossglockner.

3 Antworten auf „Grossglockner – Auf den Spuren der Erstbesteiger“

  1. Glückwunsch zur gelungenen Besteigung! Der Großglockner steht auch bei mir auf der To-Do-Liste; vielleicht klappt es ja dieses Jahr zum Saisonschluss, wenn hoffentlich nicht mehr so viel los ist.

    Gruß

    Rebecca

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